HNO Gemeinschaftspraxisim Europahaus

Rathausstraße 1–3, 
24937 Flensburg, 
Telefon 0461 24210
Fax 0461 181369
info(at)hno-europahaus.de

Sprechzeiten

Montag bis Freitag
8.30–11.30 Uhr
Montag, Dienstag & Donnerstag
15.00–17.00 Uhr
Privatsprechstunde
mittwoch- und freitagsnachmittags

nur nach Terminvereinbarung

 

"Heilende Wasser"Tauchmedizin

  • In Italien erzählte mir eine junge Frau, dass beim Tauchen ihr gebrochenes Herz geheilt sei ...
  • In England sagte mir ein Ingenieur, er tauche, weil es ihm das Gefühl vermittle, zu fliegen und sich von den Fesseln der Schwerkraft zu lösen ...
  • Auf den Seychellen sagte mir ein ehemaliger Profi-Motorradsportler, der von der Taille abwärts gelähmt war, dass er durch das Tauchen seine Behinderung für einige Zeit vergessen könne ...
  • In Papua-Neuguinea traf ich einen Amerikaner, der sagte, Tauchen sei seine Religion. Was er unter Wasser sehe, sei eine eindeutige Bestätigung für die Gegenwart Gottes auf Erden, und nur hier fände er vollkommenen Trost …

Mit diesen Zitaten beginnt Tim Ecott das 1. Kapitel seines auch für jeden Nichttaucher lesenswerte Buches "Unter Wasser" (Argon Verlag, Berlin).

Auch Menschen, die noch nie getaucht haben, werden von Unterwasserbildern im Film oder auf Fotos regelrecht gefangen genommen und wer selber taucht, weiß um die faszinierenden Erlebnisse unter Wasser.

Voraussetzungen für den Hobbytaucher ist zunächst einmal eine gewisse körperliche Fitness. U.a. das Tragen der Tauchausrüstung in der heißen Sonne im isolierenden Tauchanzug, das Hereinklettern aus dem Wasser in ein Boot bedeutet z.B. eine punktuelle, starke Kreislaufbelastung. Tauchen im kalten Wasser, Frieren, Strömungsstauchen und vielleicht doch eine Stresssituation unter Wasser sind weitere Probleme, die auch einen gesunden Körper fordern.

Jeder Taucher sollte sich in eigenem Interesse regelmäßig tauchmedizinisch untersuchen lassen (das gilt m.E. aber auch für andere Sportarten). Gerne biete ich Ihnen eine entsprechende tauchärztliche Untersuchung nach entsprechender Vereinbarung an:

  • Anamnese (Krankengeschichte)
  • Mikroskopie der Gehörgange und der Trommelfelle
  • Endoskopie der Nasenhaupthöhlen und des Nasenrachens mit Beurteilung der Tubenöffnungen
  • Tympanometrie
  • Überprüfung des Druckausgleiches im Ohr
  • Lungenfunktionstest
  • Ggf. Gleichgewichtstests

Ein EKG bzw. Belastungs-EKG sollten Sie in Ihrem Interesse bei Ihrem Hausarzt oder Kardiologen zusätzlich anfertigen lassen. 

Meine tauchärztliche Ausbildung habe ich in Anlehnung der Bestimmungen der GTÜM zusätzlich mit entsprechenden Notfallübungen im offenen Wasser Ende September 2003 in Norwegen absolviert. Regelmäßig besuche ich weitere, tauchmedizinische Fortbildungen, habe mit Dr. C. Muth als Co-Autor einen Artikel (s. unten) in der Zeitschrift „Tauchen“ veröffentlicht.

Aus langjähriger, tauchmedizinischer Erfahrung bin ich Ihnen vor allem bei medizinischen Problemen, die beim Tauchen im HNO Bereich auftreten, gerne behilflich. Die Untersuchungen bei tauchmedizinischen Problemen werden, zur Ihrer Information, bei uns von Ihrer Krankenkasse übernommen.

Immer auf die OhrenArtikel aus der Zeitschrift "tauchen" (Nr. 5; Mai 2003)

Probleme mit dem Druckausgleich sind jedem Taucher wahrscheinlich schon einmal untergekommen. Dr. Claus-Martin Muth und der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Henning Rasche klären über mögliche Ursachen auf.

Beim Tauchen steigt mit zunehmender Wassertiefe der Umgebungsdruck, und das Trommelfell wird eingedrückt – das ist jedem Taucher bekannt, und viele kennen die möglichen Probleme, die damit behaftet sind. Dieser Druckunterschied zwischen Umgebung und Mittelohr kann und muss nun einmal irgendwie ausgeglichen werden.

Durchgeführt wird dieser Druckausgleich über die so genannte Ohrtrompete oder Eustachische Röhre - den Verbindungsgang zwischen Rachen und Mittelohr. In den Büchern ist diese Eustachische Röhre meist als offenes Rohr dargestellt, sodass es nicht leicht zu verstehen ist, warum der Druckausgleich so häufig auch bei gesunden Ohren versagt. Doch leider sind die meisten Abbildungen falsch!

Trompetenkunde

Bei genauer Betrachtung dieser Röhre zeigt sich, dass ihre Wände mit Schleimhaut überzogen sind (ähnlich den Schleimhäuten der Nase und Nasen-Nebenhöhlen). Sie ist drei bis vier Zentimeter lang und führt von der seitlichen, oberen Nasenrachenwand bis zum Mittelohr. Während der ersten zwei Drittel ihrer Länge verläuft sie durch Knorpel und Muskelgewebe und ist daher in ihrem Durchmesser veränderlich. Ihr letztes Drittel ist knöchern und damit starrwandig; der Übergang zwischen den Anteilen bildet eine Engstelle. Im Gegensatz zu den üblichen Darstellungen ist nur der letzte Teil des knorpeligen Anteils vor dieser Engstelle stets offen, der übrige knorpelige Teil ist normalerweise zu einem schmalen Spalt zusammengedrängt und somit luftdicht verschlossen.

Unter Sporttauchern ist der Druckausgleich mit dem so genannten „Valsalva-Manöver" am weitesten verbreitet, bei dem bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase kräftig in die Nase gepustet wird. Dadurch wird im Nasen-Rachenraum ein Überdruck erzeugt, der die Eustachische Röhre öffnet und das Mittelohr quasi aufbläst. Diese Technik ist nicht ohne Risiko, denn sie hat Auswirkungen auf den Kreislauf und kann, wenn besonders vehement ausgeführt, sogar Schäden am Ohr hervorrufen! Der Druckausgleich mittels Valsalva darf also nicht durch heftiges, angestrengtes Pressen, sondern muss ganz sanft herbeigeführt werden.

Der Versuch, gleichzeitig zu schlucken, kann dabei sehr hilfreich sein. Niemals jedoch darf ein Druckausgleich erzwungen werden!

Warum aber kann manchmal nur erschwert ein Druckausgleich durchgeführt werden? Einer der Gründe ist ein rein medizinischer, nämlich die akute oder chronische Tubenfunktionsstörung. Daher sollte sich jeder Taucher zumindest zu Beginn seiner Tauchkarriere einmal gründlich von einem HNO-Arztuntersuchen lassen, insbesondere wenn er in der Kindheit gehäuft Probleme mit seinen Ohren gehabt hatte. Häufige Mittelohrentzündungen werden übrigens überwiegend durch Probleme mir der Ohrtrompete und damit durch den mangelnden Druckausgleich im täglichen Leben ausgelöst!

Entgegen vieler Darstellungen ist die Eustachische Röhre nicht ständig offen! Im knorpeligen Teil liegen die Schleimhäute der Röhre aufeinander - sie ist somit luftdicht verschlossen. Dieser Abschnitt muss erst geöffnet werden, um einen Druckausgleich durchführen zu können.

Tipps gegen Probleme beim Druckausgleich

  • Untersuchung beim HNO-Arzt.
  • Bei Erkältung und Schnupfen nicht tauchen!
  • Üben der richtigen Technik beim Druckausgleich.
  • Schneller sein als der Druck: Den ersten Druckausgleich unmittelbar vor dem Abtauchen, dann während der ersten Meter regelmäßig (!) durchführen.
  • Fußwärts abtauchen.
  • Wenn noch unsicher bei der Tarierung: Möglichst während des Druckausgleichs festhalten (Ankerseil, Bojenkette, zur Not nach Absprache beim Tauchlehrer).
  • Wenn Notwendigkeit zum Druckausgleich zu spät bemerkt wird, höher tauchen, bis der Druckausqleich leicht gelingt. Niemals erzwingen!
  • Steilen sich Probleme erst im Lauf der Zeit ein und sind medizinische Gründe ausgeschlossen, an die Ausrüstung als möglichen P'roblomauslöser denken (z.B. zu enge Halsmanschette).

Ausgleichslos

Wer in der Kindheit häufig Probleme mit seinen Ohren hatte, kann also heute als Erwachsener beim Abtauchen Schwierigkeiten mit seinem Druckausgleich bekommen. Als akute Tubenfunktionsstörung ist auch eine Erkältung zu werten, da hier die Schleimhäute der Eustachischen Röhre ebenso geschwollen sind wie die der Nase. Die Belüftung des Mittelohrs ist damit beeinträchtigt, der Druckausgleich funktioniert nicht – klarer Fall für eine Tauchpause.

In vielen Fällen liegen jedoch keine medizinischen Gründe vor, und trotzdem gibt es Probleme. Fast immer haben diese mit der Schleimhaut und der anatomischen Besonderheit der Ohrtrompete zu tun, da sich hier eine Reihe von Faktoren auswirkt. Ein solcher Faktor ist das Abtauchen kopfwärts. Beim Abtauchen mit dem Kopf voran sind die Gefäße im Bereich des Kopfes etwas mehr mit Blut gefüllt, sodass sie leicht anschwellen. Bei engen Ohrtrompeten kann somit der Durchgang verschlossen sein, und der Druckausgleich funktioniert nicht. Es ist daher günstiger, sich die ersten Meter fußwärts absinken zu lassen.

Ein weiterer, häufig zu beobachtender Fehler ist, dass mit der Durchführung des Druckausgleichs zu lange gewartet wird. Ein Druckgefühl ist jedoch schon das spürbare Zeichen dafür, dass im Mittelohr ein relativer Unterdrück besteht. Dieser wiederum übt einen Sog auf die Schleimhäute der Eustachischen Röhre aus, die dadurch anschwellen. Dadurch ist die Öffnung der Tube erschwert, gelegentlich sogar unmöglich, und ein Druckausgleich kann nicht mehr stattfinden. Es gilt daher die Empfehlung, mit dem Druckausgleich schneller zu sein als der Druck. Der erste Druckausgleich sollte am besten unmittelbar vor dem Abtauchen stattfinden, die nächsten dann, bevor sich Beschwerden einstellen. Funktioniert der Druckausgleich einmal nicht ohne Probleme, sollte wieder höher getaucht und es dort noch einmal versucht werden. Keinesfalls darf durch vermehrtes Pressen ein Druckausgleich erzwungen werden, weil es so zu bleibenden Schädigungen am Hörorgan kommen kann!

Druckausgleichstechniken im Überblick

Die so genannte Valsalva-Methode dürfte jedem Taucher vertraut sein, doch es gibt auch andere:

Passiver Druckausgleich: Durch Schluck- und Kaubewegungen sowie durch Vorschieben des Unterkiefers wird die Eustachische Röhre durch Zug der beteiligten Muskulatur kurzzeitig geöffnet (ebenso beim Gähnen). Mit diesen Techniken stellen Helmtaucher relativ schonend den Druckausgleich her, denn rechtzeitig und erfolgreich durchgeführt werden größere Druckschwankungen im Mittelohr vermieden. Die Methode funktioniert auch bei einigen Sporttauchern. Das Problem ist jedoch, dass viele Taucher wegen der trockenen Atemluft nicht gut schlucken können beziehungsweise Gähnen unter Wasser nicht funktioniert.

Das Toynbee-Manöver: Bei zugehaltener Nase und verschlossenem Mund wird geschluckt. Dadurch entsteht ein kurzer Unterdrück im Nasenrachenraum, der die Eustachische Röhre öffnet, in der Folge kann Luft nachströmen. Das Toynbee-Manöver eignet sich besser für die Auftauchphase, also dann, wenn der normalerweise sich von selbst entlastende Überdruck im Mittelohr nicht recht entweichen kann; es wird aber von einigen Tauchern auch zum Ableichen genutzt. Die Belastung für Kreislauf oder Trommelfell ist niedrig, die Versagerquote hoch.

Das Frenzel-Manöver: Frenzel war Luftwaffenarzt im Zweiten Weltkrieg. Er hat dieses Manöver für die Piloten der Sturzkampfbomber entwickelt. Es ist schwierig zu erklären und zu erlernen, sachgerecht durchgeführt soll es aber sehr effektiv sein, ohne zu einer Kreislaufbelastung zu führen. Beim Frenzel-Manöver wird die Stimmritze willentlich verschlossen und die Zunge dabei in den weichen Gaumen gedrückt. Die Nase muss währenddessen zugehalten werden.

Die willentliche Tubenöffnung: Diese Methode wurde von der französischen Manne entwickelt. Besonders Begabte können dabei willentlich jene Muskeln betätigen, die zu einer Öffnung der Eustachischen Röhren führen. Diese Methode funktioniert nur bei demjenigen, der a) zur willkürlichen Beeinflussung der entsprechenden Muskulatur in der Lage ist, b) dieses eifrig übt und c) keinerlei Störung der Tubenfunktion hat. Dann allerdings ist es sehr schonend. Außerdem gibt es dann noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten und auch Mischformen aus den bereits genannten: So wird beim Roydhouse-Manöver bei geschlossenem Mund gegähnt, was dem willentlichen Öffnen der Eustachischen Röhre recht nahe kommt, aber leichter zu erlernen ist. Es besteht hier aber gerade bei Anfängern die Gefahr, den Lungenautomaten aus dem Mund zu verlieren. Die Folge kann dann ein Verschlucken und ein Panikaufstieg sein. Beim so genannten Twitch wird die Nase verschlossen und leicht hinein geblasen, dann der Kopf ruckartig zu beiden Seiten gedreht. Doch diese Methode ist weniger empfohlen, da es zu Zerrungen der Halsmuskulatur kommen kann.

Ständiger Sog

Wenn während des Tauchens häufiger größere Tiefen-Minderungen vorgenommen werden (so genanntes Jo-Jo-Tauchen), kann es ebenfalls zu Problemen kommen. Durch die häufigen Druckdifferenzen entsteht ein leichter, immer wieder auftretender Sog auf die Schleimhäute, die langsam anschwellen. Ab einem gewissen Moment ist dann die Eustachische Röhre nicht mehr durchgängig und der Druckausgleich nicht mehr durchführbar.

Schließlich kann auch der Tauchanzug zu Druckausgleichsproblemen führen: Ist die Halsmanschette zu eng (zum Beispiel bei Trockis), kann es durch Behinderung des Abstroms von venösem Blut aus dem Kopf zu einer Schwellung der Schleimhäute der Eustachischen Röhre kommen, was den Druckausgleich erschwert. Schließlich kann auch Angst die Ursache für die Unfähigkeit zum Druckausgleich sein. Diese Ursache ist nicht organisch und kann nur durch Beseitigung der Angst angegangen werden.

Bleibt festzuhalten: Ohrenschonend taucht, wer rechtzeitig mit dem Druckausgleich beginnt und niemals mit Gewalt versucht, seine Eustachische Röhre zum Öffnen zu bewegen.